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03.04.2018

Vorbericht DM HM Hannover

Die Historie der Deutschen Straßenlaufmeisterschaften ist nicht allzu lange. Der DLV hatte, dem internationalen Trend folgend, erstmalig im Jahr 1993 die Deutschen Halbmarathon Meisterschaften in Chemnitz in der Männer- und Frauenhauptklasse ausgeschrieben. 1996 wurden dann die Seniorentitelkämpfe in das Programm der alljährlichen Halbmarathon Meisterschaften integriert. Wurden die Meisterschaften in den ersten Jahren vornehmlich als eigenständige Veranstaltung ausgeschrieben, so wurden sie in den letzten Jahren überwiegend in bestehende und gut organisierte Marathon-Veranstaltungen integriert.

Für die Jahre 2017 und 2018 wurden die Meisterschaften dem Niedersächsischen Leichtathletikverband übertragen. Als Ausrichter fungiert das erfahrene Orgateam von eichels: Event. Mit 951 Meldungen ist das Interesse so groß wie lange nicht mehr. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden 729 und ein Jahr zuvor gar nur ca. 400 Läuferinnen und Läufer gelistet.

Nachdem die derzeit vermutlich schnellsten Deutschen Halbmarathonläufer Homiyu Tesfaye und Philipp Pflieger am gleichen Tag beim Berliner Halbmarathon starten, gelten in der Hauptklasse der Männer Philipp Baar (ART Düsseldorf) und Hendrik Pfeiffer (TV Wattenscheid 01), die Schnellsten des Vorjahres, als heiße Titelanwärter. Sie treffen jedoch auf eine noch stärkere LG Telis Finanz Regensburg-Mannschaft wie im Vorjahr. Bereits mit sehr guten Resultaten konnten heuer die "Regensburger Wohn- und Trainingsgemeinschaft" mit Simon Boch, Jonas Koller, Dominik Notz und Cherif Ramdane auf sich aufmerksam machen. Weiterhin zu beachten sind Marcel Bräutigam (Rennsteiglaufverein), Jens Nerkamp (PSV Grün-Weiß Kassel) und Tobias Schreindl (LG Passau) Der Mannschaftstitel dürfte den Oberpfälzern wohl kaum zu nehmen sein.

Nicht anders das Bild bei den Frauen. Hier gelten die Regensburgerinnen um Anja Scherl, Miriam Dattke, Corinna Harrer, Franziska Reng, Thea Heim sowohl in der Einzel-, als auch in der Teamwertung als Favoritinnen. Auch wenn Anja Scherl bei der Halbmarathon WM in Valencia in Folge einer Fußverletzung ihre Bestleistung nicht abrufen konnte, gilt sie als erste Anwärterin auf den Einzeltitel.
In die scheinbare Übermacht der Oberpfälzerinnen könnte am ehesten Fabienne Amrhein (MTG Mannheim) hineinlaufen . Mit Mayada Al Sayad (1. VfL Fortuna Marzahn), der Olympionikin im Marathonlauf für ihr Heimatland Palästina, ist die Vorjahresfünfte auch in diesem Jahr wieder am Start und wird versuchen, unter der magischen Marke von 75 Minuten am hannoverschen Rathaus einzulaufen.
"In der Teamwertung der Frauen wollen wir den Deutschen Rekord von 3:40:45 Std. - den hält das Team der LAC Quelle Fürth - angreifen. Wenn alle gesund sind, haben wir eine Chance ihn zu unterbieten," so Regensburgs Coach Kurt Ring. In der Wertung der U 23 Nachwuchsklasse gilt Miriam Dattke (LG Telis Finanz Regensburg) nach ihrer starken Saisoneröffnungsvorstellung über 10 000 m (32:52) zusammen mit ihrer Teamkollegin Franziska Reng als Titelanwärterin.
Bei den Jungs zählen die Athleten von Piere Ayadi (LGO Dortmund) Leif Gunkel, David Valentin , Julius Scherr (TV Wattenscheid 01) neben Moritz Beinlich (LG Telis Finanz Regenburg) zum Favoritenkreis. Aber auch hier sind Überraschungen möglich. Bei der Durchsicht der Meldeliste fällt auf, dass in den Altersklassen viele Sieger der Vorjahre wieder gemeldet sind. Überraschend wird Susanne Hahn (TV Meckenheim), die 13-fache Medaillen-gewinnerin bei Deutschen Meisterschaften, in der AK W 40 wieder auf der nationalen Laufbühne in Erscheinung treten.

Apropos Altersklassen. Was wären die Deutschen Meisterschaften auf der Straße und im Cross ohne die ehrgeizigen Athletinnen und Athleten der neunzehn Altersklassen. Insgesamt haben 659 Seniorensportler (466 männlich und 193 weiblich) gemeldet.

Ab der W/M 35 bis hin zur W/M 80 werden die Deutschen Seniorenmeister ermittelt. Sie werden im jeweiligen A bzw. B-Block entsprechend ihrer gemeldeten Bestzeit starten. Bei der Durchsicht der durch den Verband genehmigten Starterliste, konnte ich so einige Titelverteidiger und Medaillenkandidaten entdecken. Wohlwissend , dass gerade in den Altersklassen oftmals Überraschungen möglich sind.

W 40 Ich musste erstmal zweimal in dieser AK hinschauen:
Susanne Hahn vom TV Meckenheim tritt wieder an. Nachdem die zweimalige Olympiateilnehmerin und fünffache Deutsche Meisterin 2014 ihren Rücktritt erklärt hatte, möchte sie es in der AK W 40 wieder wissen. "Ich bin einige Jahre für den TK Hannover gestartet und habe gute Erinnerungen an die Region. Gerade deswegen freue ich mich auf einen Start in Hannover". In der Startgruppe unter 1:20 Stunden ist sie gelistet und hat somit ihr Ansinnen klar definiert. Ihre Gegnerinnen sind gewarnt. Die Unterbietung dieser Marke ist medaillenverdächtig. Im Vorjahr blieb die Deutsche Meisterin Simone Raatz (ASC Darmstadt) mit 1:20:03 Std. nur knapp darüber. Simone wurde erst in Ohrdruf Deutsche Cross-Meisterin und befindet sich in guter Form.
Auch sie strebt an, unter 1:20 Std. zu bleiben. Diese Ausgangslage verspricht Spannung pur. Für die Insider ein Höhepunkt der Meisterschaften.
In der gleichen Leistungsklasse dürfte sich Sandra Morschner (PSV Grün-Weiß Kassel) bewegen. Die Newcomerin des Laufsportes aus Westerland / Sylt hat nach Auskunft ihres Trainers Winfried Aufenanger in der AK W 45 noch "viel Luft nach oben". Auch sie will die 1:20 Std. knacken und ihren Titel aus dem Vorjahr verteidigen. Sogar ein Angriff auf die Deutsche Seniorenbestleistung von Petra Maak aus dem Jahr 2010 von 1:18:45 Std. ist nicht unrealistisch.

Zu den weiteren Titelverteidigerinnen am 8. April zählen:
Lulia Galuschka (LG Telis Finanz Regensburg) die am 9. April 2017 in guten 1:19:46 Std. in der W 35 siegte. In der Vergangenheit oftmals durch Verletzungen "ausgebremst" hoffte sie, am 8. April wieder ihre Topleistung abrufen zu können.
In der W 60 wird Christine Sachs (LG Mettenheim) ebenfalls versuchen wieder auf das begehrte "Stockerl" zu laufen. Seit Jahren liefert sie bei Deutschen Meisterschaften immer sehr gute Leistungen ab.
Weitere Vorjahresgewinnerinnen sind mit Bianca Weide (Spvgg. Gross Bülten) in der W 50 und Sybille Möllensiep (SUS Schalke 96) in der W 55 erneut am Start.
Somit sind alle Titelgewinnerinnen aus dem Vorjahr der AK W 35 bis einschließlich W 60 am Start. Neue Meisterinnen werden in der AK W 65 bis W 75 gekürt.
In der AK 65 dürften Gudrun Vogel (Renningen) und in der W 70 Ulrike Pithan (TuS Deuz) ein Wörtchen bei der Titelvergabe mitreden.
Hut ab vor Renate Hofmann, die dem Jahrgang 1939 angehört. Sie ist die älteste DM Teilnehmerin.

Insgesamt werden 193 weibliche Teilnehmerinnen bei den Deutschen Halbmarathonmeisterschaften an den Start gehen. Freuen wir uns also auf spannende Rennausgänge in den Wertungsklassen der Frauen.

Bei den Männern war gerade in dem letzten Jahr das Meldeergebnis sehr hoch. Übertroffen wird es in diesem Jahr mit 460 Teilnehmern.
Traditionell sind die AK M 40, 45, 50 bis 55 sowohl quantitativ als qualitativ am stärksten besetzt. Den besten Zuspruch hat auch in diesem Jahr wieder die AK 50 mit 87 !!! Meldungen. Mein Spruch hierzu lautet immer am Mikro "das Häuschen ist gebaut, der Job ist gesichert, die Kinder sind aus dem Gröbsten heraus, Papa hat nun die Zeit zu zeigen, was jenseits der vierzig noch in ihm steckt".
Hier sind nur wenige Titelträger des Vorjahres am Start. Eine Chance für diejenigen, denen es bisher verwehrt wurde, den Titel eines Deutschen Senioren-Meisters im Halbmarathon zu erringen. In der M 35 konnte bereits im Vorjahr Andreas Kuhlen in sehr guten 68:20 Min. gefallen. Er zählt neben dem mehrfachen Deutschen Crossmeister Tobias Gröbl (LG Zusam) zum Favoritenkreis, nachdem der Vorjahressieger Andreas Straßner (ART Düsseldorf) nicht am Start ist.
Mit dem Titelträger der M 40 Valentin Harwardt (VfL Wolfsburg) steht ein stets zuverlässiger Sportler mit guten Titelchancen erneut an der Startlinie. Der gebürtige Kasache, der als Ingenieur bei VW in Wolfsburg arbeitet, wird wie gewohnt alles geben, um wieder bei der Siegerehrung dabei zu sein. Ihm könnte an einem guten Tag Andrew Liston von der LG Wettenberg Paroli bieten.
Vollkommen offen ist der Ausgang des Rennens in der AK 45. Jörg Heiner (LG Wenden) werden neben Marco Schwab (PSV Grün-Weiß Kassel) Medaillenchancen eingeräumt.
Wurde die M 50 in den letzten Jahren von Dr. Matthias Koch bzw. Mike Poch dominiert, so könnte 2018 der Heidelberger Marcus Imbsweiler neben dem Schleswiger Miguel Molero-Eichwein, der in die AK 50 aufgestiegen ist und im Vorjahr 3. in M 45 war, um den DM-Titel kämpfen. Gespannt darf man auf das Auftreten des "local heros" Markus Pingpank (Hannover Athletics) sein. Der ehemalige Spitzenlangstreckler hat sich seit Jahren wieder einmal für eine Teilnahme bei Deutschen Meisterschaften entschieden.
Nachdem sich Daniel Ghebreselasie (PSV Grün-weiß Kassel) im Vorjahr mit dem zweiten Platz begnügen musste, könnte er in Hannover seinem DM Marathontitel von Frankfurt einen weiteren hinzufügen, da der Rosenheimer Reimund Hobmeier nicht gemeldet ist. Ob es ihm gelingt Roland Geissler (SWV Lauchhammer) in Schach zu halten, bleibt abzuwarten.

Walter Engelbert in der M 60 und Egbert Zabel (Cöthener FC Germania 03) werden in ihren Altersklassen ganz vorne erwartet.

Völlig offen der Ausgang der AK M 70 . Hier haben sich acht Ausdauersportler angemeldet.

Eine Duell auf Augenhöhe könnten sich der Vorjahreszweite Siegfried Kalweit (TSV Viktoria Mühlheim) und der Deutsche Marathonseniorenmeister Werner Stöcker (LG Wittgenstein) liefern. Jose Molero, der Vater von Miguel, war im Vorjahr Vierter und möchte natürlich wie bei den Deutschen Marathonmeisterschaften in Frankfurt 2017 eine Bronzene erlaufen. Zuzutrauen ist es dem ehemaligen Radprofi der 70er Jahre, der zu seiner besten Zeit sogar einmal ein Tour de France Bergetappe gewinnen konnte.
Mit Clemens Wittig (LC Rapid Dortmund) in der M 80 tritt ein weiterer Titelverteidiger an. Der 81jährige Wittig will seinen 44ten Deutschen Meisterschaftstitel holen. Er fährt von Meisterschaft zu Meisterschaft und holt sich die Trophäen. So erst kürzlich bei den Deutschen Cross- Meisterschaften sowie bei den Deutschen- und Europäischen Hallenmeisterschaften. Im Vorjahr verpasste er die europäische Bestleistung in Hannover nur um 42 Sekunden. "Ich will es noch einmal versuchen, vielleicht wachsen mir ja noch einmal Flügel", so der immer gut aufgelegte Dortmunder. Der Dortmunder ist jedoch nicht der älteste Teilnehmer der Meisterschaften 2018.
Egbert Müller, Jahrgang 1934, vom TSV Warzen wird hoffentlich nicht unerkannt vor dem hannoverschen Rathaus nach 21,0975 km einlaufen.

Arthur Schmidt